Pflanzenöl im Dieselmotor
Da ich seit mehreren Jahren relativ sparsame Autos mit Dieselmotor und Oxidationskatalysator fahre, die Kfz-Steuer und die Mineralölsteuer aber immer teurer werden, habe ich mich auf die Suche nach legalen Sparmöglichkeiten gemacht. Auf folgende Alternativen bin ich gestoßen:
| 1. | Das Auto abmelden und Bus fahren. -Tolle Idee aber soweit bin ich noch nicht. |
| 2. | Neues Auto mit Euro 3 kaufen. -Das kann ja jeder und ich habe immer noch mein altes Auto, für dessen Herstellung auch Energie aufgewendet wurde. |
| 3. | Das Auto als mobiles BHKW (Selbstfahrende Arbeitsmaschine) anmelden und Heizöl tanken. -Noch keine Nachricht von der Zulassungsstelle |
| 4. | Bio-Diesel (RME) tanken. -Ist leider nur 2-10 Ct. billiger als Diesel und einige Schläuche und Dichtungen müssen ausgetauscht werden. |
| 5. | Pflanzenöl tanken. -Pflanzenöl ?????? |
Ein Zitat von Rudolf Diesel im Jahre 1912 in seiner Patentschrift:
« Der Gebrauch von Pflanzenöl
als Kraftstoff mag heute unbedeutend sein. Aber derartige Produkte können
im Laufe der Zeit ebenso wichtig werden wie Petroleum und diese Kohle-
Teer- Produkte von heute. »
Pflanzenöl im Dieselmotor?
Den Motor, den Rudolf Diesel im Februar 1897 der Öffentlichkeit vorstelle wurde mit Petroleum betrieben, er lief aber auch mit Pflanzenöl. Der heute bekannte Mineralische Dieselkraftstoff war noch gar nicht erfunden. Erst mit der Zeit wurde die Motorentechnik dem wesentlich dünnfüssigerem Diesel angepaßt. Um die heutigen Dieselmotoren wieder mit Pflanzenöl zu betreiben gibt es zwei Lösungsansätze. Man paßt den Motor an das Pflanzenöl an oder das Pflanzenöl wird an dem Motor angepaßt. Ich habe mich für das Anpassen des Öls an den Motor entschieden da hier die Kosten überschaubar blieben. Hierbei wird der Motor wie gewohnt mit Diesel gestartet, nachdem der Motor allerdings seine Betriebstemperatur erreicht hat wird auf vorgewärmtes dünnflüssiges Pflanzenöl umgeschaltet. Erst zum Abstellen des Motors wird wieder auf Diesel zurückgestellt um einen problemlosen Neustart zu gewährleisten.
Vor dem Pflanzenöltest hatte ich durch eine "glücklichen" Fügung die Gelegenheit in meinen Dieselmotor zu schauen, eine defekte Zylinderkopfdichtung war der Auslöser für diese Operation. Außer den obligatorischen Rissen zwischen den Ventilen waren keine größeren Ablagerungen in den Brennräumen zu sehen. Auch die Laufflächen der Zylinder hatten keine "spürbaren" Absätze und das nach ca. 370 000 km. Die neue Zylinderkopfdichtung hat auf einer 7000 km langen Urlaubsfahrt mit einem Wohnwagen nach Finnland ihre Standsicherheit bewiesen.
Als erstes wurde zum Test der
zu erreichenden Treibstofftemperatur ein kleiner Wärmetauscher gebaut,
der mit dem Kühlwasser des Motors gespeist wird.
Dieser Wärmetauscher
wärmt den Treibstoff vor dem Filter auf. Die Leitungen bis zur Einspritzpumpe
habe ich Isoliert. Die hiermit zu erreichenden Temperaturen an der ESP
bewegen sich zwischen 40 und 50°C. Der Wärmeverlust über
den Filter ist noch relativ groß. Die Optimale Treibstofftemperatur
liegt jedoch zwischen 60 und 70°C. Unter Umständen muß der
Wärmetauscher noch geändert werden. Der Wärmetauscher besteht
aus einem 100er Kupferrohr ca 30cm lang, an den Enden verschlossen. In
dem so entstandenen Behälter habe ich ein 1.5 Meter langes und 8mm
starkes gewendeltes Kupferrohr untergebracht.
--Hier wird noch getestet--
Da ich in den Wagen bisher
noch keinen zweiten Tank zum Umschalten zwischen Diesel zum Starten und
Pflanzenöl zum Fahren eingebaut habe, hat sich auch aus der Sicht
eines besseren Startes eine Mischung von 1:1 bis 5°C bewährt.
Bei höheren Mischungen hatte ich Startprobleme und der Startvorgang
dauerte 3-5 Sekunden, wohingegen der Motor bei 1:1 schon nach einer Umdrehung
anspringt. Mit neueren Motoren die noch mehr Kompression besitzen lassen
sich sicher höhere Mischungen fahren.
Bei extrem zurückhaltender
Fahrweise (Autobahn 100 km/h Landstraße 80km/h) komme ich auf einen
Verbrauch von ca.4,3 l/100km. Über Ablagerungen kann ich leider oder
auch ein Glück noch nichts sagen, da ich bis jetzt nicht wieder in
den Motor schauen mußte.
Die Mischerei ist auf die Dauer
natürlich nicht die Lösung, darum muss ein 100% pflanzenölverträglicher
Motor her. Die Wahl fällt auf den OM602 von Mercedes Benz der als
Zweiventieler mit Senkrechteinspritzung und Reiheneinspritzpumpe im W124
eingebaut ist. Manche meinen der w124 ist der letzte richtige Mercedes.
Mit diesem Wagen kann ich
jetzt, auf jedenfall im Sommer, auch auf Kurzstrecken mit 100% Pflanzenöl
fahren.
Auch gibt es inzwischen genügend
Pflanzenöltankstellen, so kann das lästige Flaschentanken entfallen.
Der W124, 100% Pflanzenöl
ohne Probleme
| Dichte (15° C) kg/dm3 | Heizwert MJ/kg | kin. Viskosität (20° C) mm2/s | Cetanzahl | Stockpunkt °C | Flammpunkt °C | Jodzahl | Verseifungszahl mg KOH/g | |
| Diesel | 0,84 | 42,7 | 4....6 | 50 | - | 80 | - | - |
| Biodiesel (RME) | 0,88 | 37,2 | 4 | 58 | - | 100 | bis 115 | bis 0,5 |
| Rapsöl | 0,92 | 37,6 | 74 | 40 | 0....-3 | 317 | 94...113 | 167...180 |
| Sonnenblumenöl | 0,93 | 37,1 | 66 | 35,5 | -16....-18 | 316 | 118...144 | 186...194 |
| Sojaöl | 0,93 | 37,1 | 63,5 | 38,5 | -8....-18 | 350 | 114...138 | 188...195 |
| Leinöl | 0,93 | 37 | 51 | (52) | -18....-27 | - | 169...192 | 187...197 |
| Olivenöl | 0,92 | 37,8 | 83,8 | 37,1 | -5....-9 | - | 76...90 | 186...196 |
| Baumwollsaatöl | 0,93 | 36,8 | 89,4 | 41 | -6....-14 | 320 | 90...117 | 189...198 |
| Purgirnußöl | 0,91 | 37,2 | 71 | (51) | - | 340 | (103) | (138) |
| Kokosöl (-fett) | 0,87 | 35,3 | 21,7 1) | - | 14....25 | 7...10 | 246...268 | |
| Palmöl (-butter) | 0,92 | 37 | 29,4 1) | 42 | 27....43 | 267 | 34...61 | 195...206 |
| Palmkernöl (-fett) | - | 35,5 | 21,5 1) | - | 20....24 | - | 14...22 | 245...255 |
Weitere Interessante Daten
Zusammenhang zwischen Cetanzahl (gibt Zündwilligkeit des Diesels an ) und der Oktanzahl ( Widerstandsfähigkeit des Benzins gegen Selbstentzündung ) ist nach Wilke: Oktanzahl = 120 - 2 * Cetanzahl. Aus: Handbuch für Maschinenbau und Kraftmaschinen.